Starker Strom, starke Frauen



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#Interview#Jobwelt#Menschen
Zwei junge Frauen vor einem Wiener Netze Einsatzfahrzeug
Die Wiener Netze bilden Frauen als Elektrotechnikerinnen aus – auch im zweiten Bildungsweg. © Wiener Netze/Manuela Gutenbrunner
10 Frauen verwirklichen bei den Wiener Netzen und Wien Energie ihren Lebenstraum: Sie werden Technikerinnen - im zweiten Bildungsweg.

Yenlik und Cheda haben gerade Pause. Im Pausenraum raunt es. Der Kaffeeautomat surrt. Die beiden jungen Frauen lachen mit ihren 8 Kolleginnen und tauschen sich aus. Für ein paar Minuten, dann geht es weiter mit der Ausbildung in der Elektrotechnik-Lehre. Sie sind Spätberufene in diesem Fach. Yenlik hat Biologie studiert, Cheda hat eine Modeschule besucht. Und doch sind beide bei den Wiener Netzen gelandet. Und zwar gleich auf der schwergewichtigen Seite der Technik: Denn das Hantieren mit bis zu 380.000 Volt ist jetzt ihr tägliches Geschäft.

Yenlik, Cheda und ihre Kolleginnen sind über das F.i.T.-Programm (Frauen in Handwerk und Technik) des AMS zu ihren Berufungen gekommen. Das Ziel dieses Programms ist – wie der Name schon sagt – Frauen in die Technik zu bringen. Der Fokus liegt dabei auf einer Qualifizierung im zweiten Ausbildungsweg. Die Kosten der Ausbildung werden vom AMS übernommen. Ausgebildet wird in Betrieben sowie in Berufsschulen.

Komprimierte Ausbildung

Zehn Frauen sind auf diesem Weg bei den Wiener Netzen und Wien Energie gelandet. Hier erhalten sie eine komprimierte Lehrausbildung: Statt dreieinhalb Jahren, wie im Regelfall, dauert die Ausbildung zur Elektrotechnikerin über das F.i.T.-Programm nur zwei Jahre. Der Stoff, den es zu pauken gilt, der ist aber derselbe.

Die Frauen haben ganz unterschiedliche Vorgeschichten und stammen aus 9 verschiedenen Nationen, sagt Yenlik. Die älteste ihrer Kolleginnen ist bereits 45 Jahre alt. Denn oft sind es die naheliegendsten Leidenschaften und Interessen, die nicht wahrgenommen und übersehen werden, erzählt Yenlik.

Nach Wien kam sie 2018, studierte zunächst einmal, heiratete, bekam ein Kind – und da begann das Grübeln. „Ich habe während der Karenz überlegt, was ich machen soll“, berichtet die 25 Jahre junge, aus Kasachstan stammende, Frau. Und da sickerte die Einsicht: „Mein Vater ist Ingenieur, der konnte immer alles reparieren.“ Und genau das, so erzählt sie, habe sie auch immer an ihrem Vater fasziniert. Da waren die Ratschläge der Mutter, doch weiter Biologie zu studieren, dann bald nur mehr verlorene Liebesmüh.

Lehrling Yenlik im Arbeitsraum mit offenem Sicherungskasten
Für Yenlik war nach kurzer Zeit im Biologie-Studium klar, sie will etwas Technisches lernen, genau wie ihr Vater. © Wiener Netze/Manuela Gutenbrunner

Bei Cheda, die 2004 aus Tschetschenien nach Österreich kam, war es der Werklehrer, der die Rutsche in die Technik legte. „Ein cooler Werklehrer“, wie sie sagt. Und da sei dann recht bald klar gewesen: „Es wird wohl etwas Technisches werden.“ Was sie an der Modeschule gelernt hat, macht sie heute als Hobby weiter.

Königsdisziplin Freileitung

Die jungen Frauen haben ihr erstes Ausbildungsjahr im September begonnen. Und den Blick in die berufliche Zukunft gerichtet, sagen beide wie aus einem Munde: Die Freileitungen sind es, die sie reizen. „Freileitung“, das ist so etwas wie ein magisches Wort, so etwas wie die Königsdisziplin unter den Elektrotechniker*innen: dicke Kabel, starker Strom und all das kombiniert mit Kletterakrobatik in großer Höhe, egal bei welchem Wetter.

Im kommenden Lehrjahr ist es soweit: Dann geht es zumindest einmal auf den Übungsmast am Gelände der Wiener Netze in Wien Simmering. Und beim Wort „Freileitung“ schmunzelt auch Sarah Wagner, die mit am Tisch sitzt – sie wird offensichtlich nicht das erste Mal mit dem Traum „Freileitung“ konfrontiert. Wagner ist die Ausbilderin des Frauen in die Technik-Programms bei den Wiener Netzen.

Ausbilderin Sarah Wagner mit ihren zwei Schützlingen Yenlik und Cheda
Ausbilderin Sarah Wagner (Mitte) ist begeistert von der Motivation ihrer F.i.T.-Schützlinge Yenlik und Cheda. © Wiener Netze/Stefan Schocher

„Die wollen”

Es sei vor allem eine Sache, die ihre F.i.T.-Schützlinge von den Regel-Lehrlingen unterscheide: Die Motivation. Sie sagt: „Die wollen. Und sie wissen genau, was sie wollen. Die stehen mit beiden Beinen im Leben. Die muss man eher bremsen.“ Aus ihrer Erfahrung im Schulungsalltag verbildlicht sie das dann folgendermaßen: „Die einen sind noch jugendlich und leicht abzulenken, die anderen Fragen einem von der ersten Lehrstunde bis zur letzten Minute Löcher in den Bauch.“

„Bremsen“, das ist ein Wort, das bei Cheda und Yenlik nicht gut ankommt. Yenlik brennt darauf sich weiterbilden zu können. Ein wichtiges Kriterium ihrer Berufswahl sei gewesen: Dass es keine Sackgasse ist. „Ich will mich weiterentwickeln“, sagt sie. Die nächsten Ziele nach dem Abschluss der Lehre hat sie bereits vor Augen: Werkmeisterin und anschließend den Master. Und Cheda? Die sieht sich in Zukunft bereits auf Hochspannungsmasten herum klettern und Hochspannungsleitungen warten. „Wir haben das zwar noch nicht ausprobiert, aber ich freue mich darauf“, sagt sie. Denn eines ist klar: Ein Indoor-Job wäre zu fad. „Ich will raus”, sagt sie.

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Alle Informationen zum F.i.T.-Programm finden Sie auf der Webseite des AMS Österreich.

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