Wasserstofftankstelle: Ersetzt H2 in Wien bald Diesel?



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Noch heuer wird ein Wasserstoff-Bus der Wiener Linien in den Testbetrieb gehen. © Hyundai
In der Leopoldau geht Anfang Dezember eine Wasserstofftankstelle für Busse und LKWs in Betrieb. Was als Pilotprojekt startet, wird fossile Treibstoffe jetzt noch in kleinem und langfristig in großem Umfang ersetzen.

Es ist nicht unbedingt die Gegend, in der man Zukunftstechnik vermutet. Die Ebene im Norden Wiens, dort wo Stadt in Industrie- und Speckgürtel übergeht. Genau dort aber beginnt Wiens Mobilitätszukunft. Der Spaten ist bereits gestochen und schon diesen Dezember wird sie in Betrieb gehen: Die Wasserstofftankstelle der Wiener Wasserstoff GmbH.

Bis 2040 soll Wien klimaneutral werden. Das bedeutet: Raus aus fossilen Energieträgern und Treibstoffen. Nun machen Busse der Wiener Linien den Anfang. Zunächst einmal im Testbetrieb.

„Die Wasserstofftankstelle ist ein Pilotprojekt, um zu sehen, wie es geht“, sagt Helmut Meixner, Geschäftsführer der Wiener Wasserstoff GmbH und H2-Experte der Wiener Netze. Sowohl Betankung, Leistung als auch Einsatzfelder seien ähnlich wie bei Diesel. Demnach dauert eine Betankung eines Fahrzeuges mit Wasserstoff zehn Minuten – und das geringe Gewicht ist auch ein Vorteil gegenüber anderen C02-neutralen Antriebsarten. Geeignet ist Wasserstoff laut Meixner vor allem für schwere Lastkraftfahrzeuge, wie Busse.

Martin Krajcsir (WSTW-Generaldirektor) und Peter Hanke (Wirtschaftsstadtrat) beim Spatenstich für die H2-Tankstelle in der Leopoldau. © WSTW, APA/Schedl

Wasserstoff als zentrale Hebelwirkung fürs Klima

„Einer muss beginnen“, sagt Meixner. Außerdem ist auf dem Weg zur CO2-Neutralität seitens der Wiener Netze als Leitungs- und Netzbetreiber der Stadt Wien eines klar: Wasserstoff hat eine Kernfunktion. Jetzt geht es um die Auslotung der Potenziale und die Präzision von Abläufen, so Meixner. „Die Stadt Wien hat sich entschlossen, diesen Weg einzuschlagen“, sagt er. Und damit gibt es auch einen Abnehmer. Und was für einen: Alleine hunderte Busse umfasst der Fuhrpark der Wiener Linien.

Zunächst geht heuer ein und nächstes Jahr ein zweiter H2-Testbus in Betrieb, der auf verschiedenen Linien unterwegs sein wird. Bis 2024 werden in Summe dann zehn Wasserstoff-Busse auf der Linie 39A fahren.

Helmut Meixner, Geschäftsführer der Wiener Wasserstoff GmbH und H2-Experte der Wiener Netze, erklärt die Funktionalität der ersten Wasserstoff-Tankstelle. © WSTW, APA/Schedl

„Die Wiener Stadtwerke und ihre Konzernunternehmen sind der zentrale Klimaschutzpartner der Stadt“, so Stadtrat Peter Hanke beim Spatenstich für die Wasserstoff-Tankstelle Anfang September 2021. Und daraus folgt, wie er es ausdrückt: „Kein anderes Unternehmen hat eine derartige Hebelwirkung, wenn es um reale Verbesserungen auf dem Weg zur Klimaneutralität geht.“ Wasserstoff wiederum kommt aufgrund seiner chemischen Eigenschaften als Energiespeicher und der steigenden erneuerbaren Stromproduktion eine bedeutende Rolle bei der Erreichung der Klimaziele Wiens zu.

Die Gewinnung ist zwar energieintensiv. Aber auch zeitunabhängig – und Wasserstoff ist ein hervorragender Energiespeicher. So könnten künftig etwa Strom-Produktionsspitzen von erneuerbaren Energiequellen ausgenutzt und in die Elektrolyse-Anlagen der Wasserstoffproduktion umgeleitet werden.

Brennstoff für zu Hause

Schon 2023 soll in Simmering Wasserstoff am Standort der Wiener Netze produziert werden. Kern des Unterfangens ist dabei eine Elektrolyse-Anlage der Wasserstoff GmbH – einer Gesellschaft von Wien Energie und Wiener Netzen. Die dafür benötigte Energie kommt aus Photovoltaik.

Allerdings ist Mobilität dabei nicht das einzige Nutzungsfeld von Wasserstoff: Auch eine Einspeisung ins Gasnetz ist in Überprüfung.

In die Zukunft blicken

Dabei sind einige Infrastruktur-Fragen nach wie vor offen, so Meixner: Etwa, welcher grüner Strom anerkannt wird, der für die Produktion von grünem Wasserstoff notwendig ist. Eine andere Frage ist, ob sich die Brennstoffzellen der Busse weiterentwickeln, sodass auch grüner Wasserstoff mit geringer Qualität verwendet werden kann, so Meixner. Aktuell brauchen die Busse eine sehr hohe Qualität. Und dann ist da auch die Frage der Nutzung: Etwa, in welchem Ausmaß Wasserstoff als neuer grüner Energieträger dienen kann.

Wussten Sie, dass ... info-icon
… Wasserstoff in unterschiedliche Farben eingeteilt wird, obwohl es ein farbloses Gas ist?

Grüner Wasserstoff

Grüner Wasserstoff ist CO2-neutral und wird durch die Elektrolyse von Wasser hergestellt. Dabei wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten.

Blauer Wasserstoff

Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, jedoch wird das bei der Wasserstoffproduktion erzeugte CO2 abgeschieden und gespeichert. Es gelangt somit nicht in die Atmosphäre.

Türkiser Wasserstoff

Der türkise Wasserstoff wird durch die thermische Spaltung von Methan hergestellt. Es entsteht fester Kohlenstoff.

Grauer Wasserstoff

Grauer Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Dieser ist im Gegensatz zum grünen Wasserstoff nicht klimaneutral, da bei der Dampfreformierung über Erdgas oder Kohle das Abfallprodukt CO2 direkt in die Atmosphäre abgegeben wird.

„Auch wenn die neuen H2-Technologien anfangs technisch und wirtschaftlich herausfordernd sind, müssen wir in die Zukunft blicken“, sagt Meixner. Daher wird die Tankstelle in Leopoldau auch externen Unternehmen außerhalb des Orbits der Wiener Verkehrsbetriebe oder der Stadt Wien zur Verfügung stehen.

Sie wollen mehr über Wasserstoff erfahren und wie dieser gewonnen wird? Dann schauen Sie im Beitrag unten vorbei:

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