Wenn das Essen kalt bleibt, der Handyakku nur mehr 9 Prozent anzeigt und der Lift nicht fährt, dann wird der lokale Stromausfall unangenehm. Im Versorgungsgebiet der Wiener Netze sind Störungen im Durchschnitt in 90 Minuten wieder behoben. Ein rund um die Uhr aktives Einsatzteam sorgt dafür, dass im Fall der Fälle rasch wieder alles funktioniert.
Schäden an einzelnen Leitungen – ausgelöst durch einen Bagger, der sich vergräbt oder einen Ast, der in eine Leitung fällt – beeindrucken die Einsatzteams nicht. „Wir sorgen dafür, dass wir die Stabilität des Netzes aufrechterhalten, auch wenn es irgendwo außerhalb unseres eine Schwankung gibt. Egal, ob gerade viel Sonnenstrom eingespeist wird – oder es nebelig und kalt ist und viel Strom gebraucht wird, wir achten auf die richtige Balance“, erklärt Mario Leitner, er leitet den Bereich Netztechnik und Strom bei den Wiener Netzen.

Für den Ernstfall: Simmering ist schwarzstartfähig
Kniffliger wird es bei einem flächendeckenden Stromausfall des Systems. Ein sogenanntes Blackout, das von außen nach Wien „hereinrollt“. Aber auch da sind in der Hochspannungswarten in Simmering MitarbeiterInnen der Wiener Netze und Ihre Kraftwerkskollegen von Wien Energie vorbereitet: In Simmering steht ein schwarzstartfähiges Kraftwerk. Also ein Kraftwerk, das auch ohne Strom von außen gestartet werden kann, und mit dem das Netz des Landes sukzessive wieder hochgefahren werden könnte. Im Katastrophenfall wäre Wien damit also eine Insel des Lichts.
Aber wie wahrscheinlich ist jetzt, dass es ein Blackout, also großflächigen und längerer Ausfall des Stromnetzes gibt, in Wien und Umgebung? Techniker*innen wollen hier natürlich nichts 100% ausschließen. „Aber wenn man sich die Grunddynamiken der Physik ansieht und wie wir aufgestellt sind in ganz Österreich, dann ist die Chance verhalten groß“, beruhigt Leitner: „Und die Wahrscheinlichkeit ist in den vergangenen Jahren auch nicht gestiegen. Auch wenn die neuen Energieträger (Sonne und Wind) mehr Flexibilität der Netze fordern. Aber mit vorausschauender Planung und notwendigen Investitionen in das Netz, sowie mit Digitalisierung und vor allem einer Modernisierung halten wir hier unsere hohe Versorgungssicherheit hoch“.

Sowas wie in Spanien kann uns nicht passieren?
Ein Blackout wird durch eine Kettenreaktion ausgelöst, wie zum Beispiel der Ausfall des Stromnetzes auf der iberischen Halbinsel im Sommer 2025. Das ist ein seltenes Ereignis, wenn viele Fehler und Probleme gleichzeitig auftreten und die Frequenz ins Ungleichgewicht kommt. „Es ist eben unsere Aufgabe, diese Waage im Gleichgewicht zu halten. Man darf nie etwas ausschließen. Aber wir minimieren die Wahrscheinlichkeit, dass das Netz aus dem Gleichgewicht kommt, aktiv indem wir bereits im Vorfeld agieren und im Notfall rasch reagieren können. Wir verhindern automatisch und mit erprobten Vorsichtsmaßnahmen, dass es zu einem flächendeckenden Ausfall kommt“, sagt Mario Leitner.
Und wenn doch das Stromnetz rund um Österreich zusammenbricht und das Wiener Netz außer Gefecht setzt, dann startet das Kraftwerk in Simmering. Innerhalb eines Tages – voraussichtlich. Mit vielen kleinen Synchronisationsschritten wird die Versorgung Wiens wiederaufgenommen. So der Plan, der auch beübt wird.
Vorbereitung ist die halbe Miete
„Als kritischer Infrastrukturbetreiber ist man auf alles Mögliche und Unmögliche vorbereitet“, so Daniel Cavanaugh, verantwortlich für das Sicherheitsmanagement bei den Wiener Netzen. Als Teil der kritischen Infrastruktur der Stadt gelten für die Wiener Netze besondere sicherheitstechnische Anforderungen. Dazu gehöre auch, dass sicherheitsrelevante Aspekte des Netzes nicht öffentlich gemacht werden. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit Behörden und arbeiten eng zusammen, sowohl in der Prävention als auch bei akuten Bedrohungs- und Gefahrenlagen. Regelmäßige Übungen, Tests und Trainings, etwa mit der Landespolizeidirektion Wien und dem Bundesheer sowie anderen, relevanten Stakeholdern, sorgen dafür, dass wir gut vorbereitet sind und die hohe Versorgungssicherheit in Wien und Umgebung auch in Zukunft hochhalten können“, so Cavanaugh.
Ein Stromausfall in der Größenordnung von Berlin im Jänner 2026 sei nicht zu befürchten. „Wir haben einen anderen Netzaufbau – der Großteil der Haushalte könnte in so einem Fall über eine andere Leitung wieder versorgt werden“, erklärt Strom-Chef Mario Leitner.

Die N-1-Regel
Der Grund dafür sei die sogenannte N-1-Regel, die besagt, dass jedes Betriebsmittel im Stromnetz, also Umspannwerke, Trafostationen, aber auch Leitungen, durch ein Ersatz-Betriebsmittel ersetzt werden kann. „Außerdem – und darauf sind wir besonders stolz – haben wir 7 Monteur*innen ausgebildet, so dass wir auch bei Erdkabel mit Isolierflüssigkeit mittlerweile selbst reparieren können“, berichtet Leitner. Für die Reparatur von 110 kV-Hochspannungskabeln müssen jetzt keine Expert*innen aus dem Ausland mehr eingeflogen werden, das ist natürlich ein Faktor, der die Reaktionszeit wesentlich verkürzt.
„Und wir arbeiten weiter an dem vorausschauenden Ausbau des Stromnetzes: bis 2040 sind 13 Umspannwerke in Planung. Konkret werden die Umspannwerke in Trumau und Deutsch Wagram das Wiener Netze-Versorgungsgebiet noch resilienter machen, da dadurch 2 zusätzliche 380kV-Anspeisungen entstehen“, ergänzt Mario Leitner.