Frostige Reparaturarbeiten an der „Süd-West-Tangente“



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#Infrastruktur#Strom#Versorgungssicherheit#Zukunftsnetz
Metalleitungen mit Eis überzogen
Flüssiger Stickstoff brachte das schadhafte Stromkabel auf minus 196 °C. © Oesterreichs Energie
Sag „Tangente“ und die AutofahrerInnen in Wien werden nervös. Diesmal war aber eine ganz andere Hauptschlagader Stadtgespräch: die Starkstromleitung unter der Wienzeile. Sie wurde repariert – mit Hilfe von minus 200 Grad kaltem Stickstoff und internationalen Experten.

Vergleichbar mit der Süd-Ost-Tangente im Straßenverkehr sorgt die Hochspannungsleitung zwischen dem Umspannwerk Simmering und Kendlerstraße dafür, dass Wien am Laufen bleibt. Sie ist eine Hauptversorgungsader mit einer Spannung von 400.000 Volt. Das ist das Tausendfache der 400 oder 230 Volt der haushaltsüblichen Spannung. Damit der Strom auch gut fließt, überprüfen die Wiener Netze die Leitungen unter der Erde in Wien regelmäßig.

Der Bagger – der größte Feind der Kabel 

Im Sommer 2020 wurde bei so einer Routineprüfung festgestellt, dass es im Hochspannungskabel unter der Linken Wienzeile eine kleine Störung gibt. Der Stromfluss war beeinträchtigt. Der Grund? Die Isolierung des wichtigen Stromkabels ist – vermutlich bei Bauarbeiten – eingedrückt worden. Der größte Feind des Stromnetzes ist ja bekanntlich der Bagger. 

Kein Stau auf der Tangente 

„Nachdem wir den Schaden entdeckt haben, haben wir das Kabel natürlich stillgelegt, damit sich der Schaden nicht vergrößert“, erklärt Michael Klein, der technische Projektleiter von den Wiener Netzen. Die Stromversorgung Wiens wurde dadurch aber nicht beeinträchtigt. Also kein Stau auf der Tangente. „Das Stromnetz in Wien ist derart engmaschig, dass die Versorgung der Haushalte meist von zwei Seiten erfolgt. Natürlich haben wir auch bei sehr wichtigen Stromleitungen eine Absicherung. Diese Redundanz ist unter Experten auch als ‚Das Stromnetz ist n-minus-1 sicher‘ bekannt“, erklärt Klein. 

400-kV-Erdkabel: aufwändige Reparatur

Bei einem Höchstspannungs-Erdkabel ist die Isolierung die große Herausforderung: Auf 23 Millimetern muss die elektrische Spannung von 230.000 Volt auf null Volt abgebaut werden. Die ausgeklügelte Isolation besteht aus vielen Schichten Spezialpapier, die in einer biologisch abbaubaren Isolierflüssigkeit getränkt sind. 

© Oesterreichs Energie

Vorsorge für sichere Versorgung

Die Herstellung und Lieferung der Spezialmuffe dauern üblicherweise sechs Monate. Die eigentlichen Reparaturarbeiten inklusive Grabungsarbeiten und Herstellen einer sehr sauberen Arbeitsumgebung „unter Tag“ wurden in einer Rekordzeit von nur acht Wochen abgeschlossen. Gut so. Denn für die 16 Meter lange Baugrube für die Reparatur und die zwei Gruben für die Kühlung der Isolierschicht musste ein Fahrstreifen gesperrt werden. Die Fahrspur auf der Linken Wienzeile ist also rascher als geplant wieder für den Verkehr freigegeben worden. Damit nicht nur unter der Erde, sondern auch über der Erde auf der Straße wieder alles einwandfrei fließt.

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