Fernwärme-Check über den Wolken



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#Energie#Fernwärme
Flugzeug für Wärmebildaufnahmen
Aus diesem Flugzeug wurden über Wien bei Nacht die Wärmebildaufnahmen geschossen. © Scandata GmbH
Aus der Luft überprüfen die Wiener Netze ihre Fernwärme-Leitungen. Wie das geht? Mit Wärmebildkameras!

Mitten in der Nacht schwirrt ein kleines Flugzeug über Floridsdorf und die Donaustadt. Immer wieder zieht der Flieger seine Runden und ein paar Stunden später ist alles im Kasten: Eine hochauflösende Wärmebildkamera erstellt Fotos vom 28.500 Kilometer langen Energie-Leitungssystem Wiens. Die Nachtaufnahmen sollen zeigen, wo etwaige Schwachstellen im Fernwärme-Netz auftreten können. 

Wien von oben bei Nacht
Ein Blick aus dem Flugzeug beim Fernwärmeüberwachungsflug: Haben sie Wien schon bei Nacht gesehen? © Scandata GmbH

Ausbesserungsarbeiten in den Sommer verlegen

„Das Gute an diesen Aufnahmen aus der Luft ist, dass man sieht, wo die Dämmung oder das Rohr eine Schwachstelle hat. So können wir eingreifen, bevor noch ein Gebrechen auftritt“, erklärt Guido Wiedenegger, Fernwärme-Experte der Wiener Netze. Das Besondere an der Fernwärme ist, dass durch das träge System Kund*innen oft gar nicht merken, wenn wegen Reparaturarbeiten die Wärmezufuhr abgeschaltet ist. „Durch vorausschauende Planung versuchen wir, größere Störungen im Sommer zu beheben, also dann, wenn wir nicht heizen. So sind wir manchmal schon fertig, bevor in den Wohnungen das Warmwasser nicht mehr die gewünschte Temperatur erreicht“, erklärt Wiedenegger. 

Stahlrohre sorgen für sicheren Wärmetransport

Manche Stahlrohre der Fernwärme wurden bereits 1969 verlegt. Sie sind genauso stabil wie ihre jüngeren Kolleg*innen. Nicht immer tritt bei einem Gebrechen gleich Wasser aus, auch wenn die Isolierung – etwa durch Baggerarbeiten – etwas beschädigt ist, zählt das bereits zu einem Schaden. In der Zentrale der Wiener Netze werden die Rohre rund um die Uhr überwacht. Kommt es zu einem Spontangebrechen, fährt sofort ein Team zur Behebung los. 

„In den Sommermonaten häufen sich die Einsätze unseres Störungsteams, weil Starkregen nach Trockenheit zu Überschwemmungen von Straßen führt. Das überschüssige Wasser tritt dann in unsere Fernwärmeschächte ein. An den heißen Rohren entsteht Wasserdampf. So wie man es aus den Filmen kennt. Da kommen wir ins Spiel“, berichtet Fernwärmeexperte Guido Wiedenegger. 

Gezielt graben – rechtzeitig eingreifen

Damit aber Gebrechen, die die Versorgung von Kund*innen beeinträchtigen, gar nicht auftreten, identifizieren die Wiener Netze mögliche Schwachstellen im Fernwärmenetz vorab. Dafür hat man sich mit einer Firma aus Deutschland zusammengesetzt, die auf Nachtaufnahmen mit Wärmebildkameras spezialisiert sind. Unzähligen Fotos wurden bei einem Überflug geschossen und müssen von der IT-Firma jetzt in Kleinarbeit zusammengesetzt, analysiert und an die Wiener Netze übermittelt werden. 

Aufnahme mit der Wärmebildkamera
Die Fotos der Wärmebildkamera zeigen Schwachstellen im Fernwärmenetz und ermöglichen eine rechtzeitige Wartung. oder Reparatur. © Scandata GmbH

Fernwärmefotos bei klarem Himmel und Kälte

Bereits im Winter 2019 wurde das Fernwärmenetz Wiens überflogen, dann kam Corona und der geplante Überflug 2020 war nicht möglich. Im Winter 2021 machte das Wetter nicht mit. Für optimales Bildmaterial muss es kalt sein, der Himmel muss klar sein und es darf kein Schnee liegen. „Hier müssen wir – beziehungsweise unsere Partnerfirma – sehr flexibel sein“, so Wiedenegger. Das Flugzeug stand in München bereit und wurde erst nach Wien überstellt, als klar war, dass die Rahmenbedingungen passen. „Ich freu mich, dass es heuer klappt und wir in den nächsten Wochen unser Fernwärmenetz vollständig mit Luftbildern prüfen können. Wenn es dann wieder wärmer ist und die Nutzung der Fernwärme sinkt, starten wir mit den Reparaturarbeiten, ohne dass die Kund*innen das merken“, sagt der Experte. So halten die Wiener Netze Wien am Laufen – Tag und Nacht das ganze Jahr! 

Flugzeug ausgestattet mit Wärmebildkamera
Kälte, Dunkelheit, aber keine Schneedecke - das sind die notwendigen Bedingungen für den Fernwärme-Überwachungsflug. © Scandata GmbH

Die Kronen Zeitung hat ebenso über den Nachtflug in Wien berichtet: https://www.krone.at/2641332

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