Vom Kohlekessel zum Öko-Strom: So hat sich das Netz entwickelt



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#Energie#Geschichte#Strom
Städtisches Elektrizitätswerk Simmering 1910
Städtisches Elektrizitätskraftwerk Simmering 1910; © ÖNB
Strom aus der Steckdose ist heutzutage selbstverständlich. Kaum zu glauben, dass vor 120 Jahren noch Gaslaternen und Waschrumpeln im Einsatz waren. Die Zeitreise durch Wiens Elektrifizierung hat so einiges zu bieten!

Wissen Sie, dass die Straßenbahn in Wien lange Zeit von Pferden gezogen wurde? Vor rund 120 Jahren entschied die Stadt, die Pferdetramway auf strombetriebene Fahrzeuge umzustellen und ein städtisches Kraftwerk für die Stromversorgung zu bauen. Damit fiel der Startschuss einer neuen Ära der Energieversorgung: 1.190 Kilometer Kabelnetz wurden für die “Elektrische” – wie die Straßenbahn damals hieß – verlegt.

Blick aus Westen auf die Partie der Franz-Joseph-Kaserne am Kai, Pferdetramway, 1890.
Wussten Sie, dass die Straßenbahn in Wien ursprünglich von Pferden gezogen wurde? © ÖNB

Der leuchtende Aufstieg

Danach ging alles recht schnell. 1902 staunten Besucher über das erste elektrisch betriebene Karussell, 1906 erhielt der Stephansdom eine modernes Licht und 1924 wurden schließlich die Straßen Wiens elektrisch beleuchtet. Bereits zehn Jahre zuvor übernahm die Stadtgemeinde die Arbeit privater Elektrizitätsanbieter. Trotzdem gab es damals nur in den Haushalten von sehr wohlhabenden Familien Strom.

Weil nach dem ersten Weltkrieg die Steinkohle-Lieferungen aus Schlesien wegfielen, setzte Wien in den 1920er-Jahren auf Wasserkraft: In Opponitz entstand das größte Ausleitungskraftwerk Europas. Es deckte 15 Prozent des Strombedarfs der heutigen Bundeshauptstadt. Und auch im 21. Jahrhundert sind die Wiener Netze für die Stromleitungen in und rund um Opponitz verantwortlich! 

Blick von der Druckrohrleitung und die Werkanlagen in Opponitz
Das Wasserkraftwerk in Opponitz wurde für die Stromversorgung von Wien gebaut. © ÖNB/Markat, A.

Ein Licht in dunklen Zeiten

Während des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Stromversorgungsanlagen zerstört. Am Wiederaufbau arbeitete die Bevölkerung hart: 1947 wurde die Elektrizität verstaatlicht und die Wiener Elektrizitätswerke zwei Jahre später Teil der neu gegründeten Wiener Stadtwerke. Mit dem Ausbau des Kraftwerks Simmering waren 1960 bereits unglaubliche eine Million Kundinnen und Kunden an das Stromnetz angeschlossen.

Mit Spannung in die neue Welt 

Elektrogeräte entwickelten sich in den 50er und 60er Jahren von Luxus- zu Massenprodukten: Immer mehr Haushalte nutzten die Vorteile von elektrischen Waschmaschinen, Kühlschränken, Mixern und Co. Der Besitz eines Fernsehapparats wurde schnell zum Statussymbol. Die Kosten für das bewegte Bild zuhause: vier Monatsgehälter. 

Schwarz-Weiss-Foto: Frau und Mann bedienen Fernseher.
In den 1960er Jahren zogen Fernsehgeräte in den Haushalten ein. © ÖNB/Scheidl

Wendepunkt für den Strom

Mit der Jahrtausendwende wurde der Gas- und Strommarkt in Österreich liberalisiert. In Folge dessen auch die Energieinfrastruktur von der Energieerzeugung getrennt. Und seit Mitte 2013 betreiben nun die Wiener Netze das Stromnetz in Wien und Umgebung. Das Unternehmen ist als Kombinetzbetreiber auch für die Gas- und Fernwärmeversorgung von mehr als zwei Millionen Kundinnen und Kunden verantwortlich. Trotz der verschiedenen Firmenkonstruktionen und Namen, blieb der Auftrag über Jahre hinweg derselbe: eine verlässliche Energieversorgung sicherstellen. 

Das sicherste Netz – die besten Aussichten 

Mittlerweile wurden aus dem Stromverbrauch in Wien von damals 72.000 Kilowattstunden mehr als elf Terawattstunden heute – also: 11.000.000.000.000 Wattstunden. Und trotz dieser Leistung garantieren die Wiener Netze mit einer Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent, dass Stromausfälle in Wien und Umgebung sehr selten sind. Da ist in den vergangenen 120 Jahren ganz schön viel passiert – finden Sie nicht? Und wenn man sich die Energiewende so anschaut, wird es rund um das Thema Strom auch in Zukunft nicht langweilig. Aber dazu ein andermal! 

Bauarbeiter bei einer Besprechung
Mit 30.000 Kilometer Strom-, Gas- und Fernwärmeleitungen sind die Wiener Netze Österreichs größter Kombinetzbetreiber. © Wiener Netze/Alex Nussbaumer