Peter Steczowicz, Bau-Projektleiter des Smart Campus, mit Moderatorin Jacky Becker-Lohberger im Podcast-Studio.
Peter Steczowicz, Bau-Projektleiter des Smart Campus, mit Moderatorin Jacky Becker-Lohberger im Podcast-Studio.

Smart Campus: Ein Gebäude denkt mit #15

Kann ein Gebäude seine Nutzer*innen dabei unterstützen, Energie zu sparen?

Der Smart Campus, also die Unternehmenszentrale der Wiener Netze zeigt seit zehn Jahren, wie Architektur, innovative Technik und modernes Arbeiten zusammenwirken. In dieser Folge spricht Peter Steczowicz, Bau-Projektleiter des Smart Campus, über die Ideen hinter einem der größten nach Passivhausstandards errichteten Gebäude Europas.

Im Mittelpunkt des Podcasts steht das energieeffiziente Gebäudekonzept, intelligente Feedbacksysteme für Nutzer*innen und die Frage, wie moderne Arbeitswelten Kommunikation, Wohlbefinden und konzentriertes Arbeiten fördern können. Außerdem erfahren Sie, warum der Mensch eine entscheidende Rolle für den Erfolg eines smarten Gebäudes spielt.

Jetzt reinhören! Die nächste Folge erscheint in 2 Wochen, überall wo es Podcasts zu hören gibt.

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| 00:00 | [Intromusik] Netzimpuls, der Wiener Netze-Podcast. Unsere Impulse für ein sicheres und smartes Wien.
| 00:10 | [Hintergrundmusik] Ich fahr ins Büro. Das sagen viele Leute auf dem Weg zur Arbeit. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Wiener Netze sagen: „Ich fahr in den Smart Campus.“ Das ist nämlich die Unternehmenszentrale der Wiener Netze. Sie wurde vor genau zehn Jahren eröffnet und ist ein ganz besonderes Gebäude.
| 00:34 | Netztalk. Das Gespräch mit Menschen, die Wiens Infrastruktur gestalten.
| 00:38 | Peter Steczowicz war damals Projektleiter beim Bau dieser Unternehmenszentrale, beim Bau des Smart Campus. Peter, was ist denn jetzt eigentlich am Smart Campus so smart?
| 00:53 | Wir haben uns im September 2010 schon Gedanken gemacht: Was zeichnet ein neues, energieeffizientes Gebäude aus? Wir wollten eine Photovoltaikanlage am Dach errichten, etwa in der Größe eines Viertels eines Fußballfeldes. Wir wollten das Grundwasser für Heiz- und Kühlzwecke nutzen und Warmwasser über eine Solarthermieanlage erzeugen. Vor allem war uns wichtig, auch die Nutzerinnen und Nutzer einzubinden. Über ein kleines Feedbacksystem erhalten sie Informationen darüber, ob ihr Verbrauchsverhalten zu einem energieeffizienten Gebäude passt.
| 01:43 | Netzfacts: Überraschende Fakten und spannendes Wissen über die Netze deiner Stadt. Die Wiener Netze haben noch andere coole Gebäude zu bieten, zum Beispiel das Umspannwerk Favoriten. Es wurde in den 1930er Jahren erbaut, sieht aus wie ein riesiges Dampfschiff und ist ein Magnet für Film- und Fernsehproduktionen.
| 02:08 | Gehen wir vielleicht zum Anfang zurück, tatsächlich zum Bau. Da habt ihr ja schon beim Bauen begonnen, an vielen Schrauben zu drehen, um CO₂ einzusparen.
| 02:19 | Ja, das ist vollkommen richtig. Wir haben im Zuge des Aushubs ausgeschrieben, dass ein Teil des Aushubmaterials mit der Bahn abtransportiert werden muss. Das ist gelungen. Circa ein Drittel des Aushubs, knapp vierundsiebzigtausend Tonnen, wurden mit der Bahn abtransportiert.
| 02:41 | Es ist, glaube ich, das größte Passivhaus Europas. Stimmt das?
| 02:47 | Es war damals das größte nach Passivhausstandard errichtete Gebäude Europas.
| 02:54 | In den zehn Jahren, die es den Smart Campus jetzt gibt, wurden zwanzigtausend Tonnen CO₂ eingespart. Das entspricht zwanzigtausend Mittelstreckenflügen.
| 03:14 | Das Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit war uns sehr wichtig und ist uns als Wiener Netze nach wie vor sehr wichtig. Wir achten bei Projekten darauf, dass Auftragnehmer entsprechende Maschinen einsetzen, elektrobetriebene Geräte und elektrobetriebene Maschinen. Das Thema Nachhaltigkeit wird Schritt für Schritt weitergeführt.
| 03:43 | Der Smart Campus ist ein energieeffizientes Gebäude. Aber da braucht es auch die Menschen dazu. Wie funktioniert dieses Nutzerfeedback?
| 04:10 | Ein klassisches Beispiel: Im Sommer hat es draußen fünfunddreißig Grad, drinnen angenehme dreiundzwanzig Grad und man öffnet das Fenster. Über ein Nutzerfeedback wird dann angezeigt: „Du, pass auf, das Verhalten, das du jetzt an den Tag gelegt hast, passt nicht zum Thema energieeffizientes Gebäude.“ Es ist keine Bevormundung, sondern einfach ein Hinweis.
| 04:47 | Wie wird das angezeigt?
| 04:52 | Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, wie sie Informationen erhalten möchten. Pop-ups wurden abgelehnt. Deshalb gibt es neben der Tür ein kleines Kästchen, das mittels Farbcode arbeitet. Gelb bedeutet: „Achtung“, Rot bedeutet: „Bitte jetzt wirklich etwas tun.“
| 05:23 | Der Smart Campus spricht also mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein bisschen. Er kommuniziert auch ein bisschen. Ja, genau.
| 05:32 | Geplant wurde das Ganze schon vor fünfzehn Jahren. Was hat sich bei der Planung bewährt und was würde man heute anders machen?
| 06:02 | Wir haben viele Evaluierungen gemacht und überlegt, wohin die Reise bei einem neuen Gebäude geht. Von der Logistik über die Bürogestaltung bis hin zu Kommunikation und konzentriertem Arbeiten. Wir wollten ein modernes, helles und flexibles Gebäude schaffen, weil niemand weiß, was im Jahr 2030 auf uns zukommt.
| 07:09 | Es ist eingetroffen, wie wir uns das vorgestellt haben. Heute würden wir manches anders machen. Zum Beispiel zwei Geschirrspüler in den Teeküchen installieren oder Raumstandards vereinheitlichen. Im Großen und Ganzen funktioniert das Gebäude aber hervorragend. Besonders stolz bin ich darauf, dass die Kolleginnen und Kollegen auf ihr Gebäude achten.
| 08:07 | Ihr habt bei der Planung auch das Konzept Workspace in Angriff genommen. Kannst du erklären, was das ist?
| 08:18 | Wir haben uns gefragt, wie das Zusammenspiel von Arbeiten und Kommunikation funktioniert. Deshalb gibt es ruhige Bereiche für konzentriertes Arbeiten und eine sogenannte Magistrale mit Teeküchen, Besprechungsräumen und anderen allgemeinen Bereichen. Wer kommunizieren oder Besprechungen führen möchte, nutzt diese Mittelzonen. So bleibt konzentriertes Arbeiten in den Bürobereichen möglich.
| 09:10 | Wie sind die Reaktionen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten zehn Jahren gewesen?
| 09:19 | Am Anfang war eine gewisse Skepsis da, vor allem wegen der Glaswände und der offenen Gestaltung. Wir konnten aber vom Mehrwert überzeugen, etwa durch mehr Tageslicht. Auch Themen wie Stauraum oder gemeinsam genutzte Teeküchen wurden anfangs kritisch gesehen. Am Ende hat sich gezeigt, dass das Konzept sehr gut funktioniert.
| 10:22 | Wir teilen uns zum Beispiel eine Teeküche mit drei Bereichen. Das funktioniert hervorragend. In den letzten zehn Jahren habe ich nur gehört, dass einmal ein Joghurt verschwunden ist.
| 10:46 | Die Anfangsskepsis ist also recht schnell gewichen. Inzwischen ist die Stimmung gut im Smart Campus.
| 10:55 | Die Stimmung war schon beim Einzug 2016 positiv. Das Raumklima ist deutlich angenehmer als im alten Gebäude. Die Werkstätten haben heute viel Tageslicht und eine moderne Ausstattung. Das waren alles Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das Gebäude gefreut haben.
| 11:53 | Da sind also schon in der Planung ganz viele smarte Ideen eingeflossen. Was bereitet dir persönlich am meisten Freude am Smart Campus?
| 12:11 | Am schönsten finde ich die hellen Bereiche und die Möglichkeit, Kolleginnen und Kollegen zu sehen. Man sitzt nicht in einem eingemauerten Büro, sondern begegnet Menschen in den Kommunikationsbereichen oder Teeküchen. Darauf freue ich mich jeden Tag.
| 12:39 | [Upbeat-Musik] Das war Netzimpuls, der Wiener Netze Podcast. Abonniere uns für viele weitere Stories, die Wien bewegen.

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