Christian Call und Jacky Becker-Lohberger sitzen an einem Tisch und sprechen in Mikros hinein.

Energiewende: Wie schaffbar ist sie wirklich?! #3

Energiewende In dieser Folge geht’s um Photovoltaik, Windkraft und wie wir die Energiewende schaffen.

Was oft kinderleicht klingt, ist in Wahrheit ein komplexes Zusammenspiel aus tausenden dezentralen Anlagen, Wetterprognosen und einem Netz, das plötzlich keine Einbahn mehr ist.

Unternehmenssprecher Christian Call erklärt, warum erneuerbare Energien das System komplett verändern, wieso plötzlich „Gegenverkehr“ im Netz entsteht – und was es braucht, damit trotzdem jederzeit Strom aus der Steckdose kommt.

Du erfährst außerdem, wie du selbst Teil der Energiewende wirst – vom eigenen Dach bis zum Balkonkraftwerk oder der Energiegemeinschaft.

Jetzt reinhören und verstehen, was wirklich hinter sauberem Strom steckt.

Die nächste Folge erscheint in 2 Wochen.

Hier findest du spannende Facts zu geplanten Ausbau der Netze: 2040 – Wiener Netze

Audiotranskript

00:00:00,100 –> 00:00:02,140 [Musik]
[Intromusik]

00:00:02,140 –> 00:00:04,660 [Off-Sprecher (Christian Brunner)]
Netzimpuls, der Wiener Netze-Podcast.

00:00:05,780 –> 00:00:08,920 [Off-Sprecher (Christian Brunner)]
Unsere Impulse für ein sicheres und smartes Wien.

00:00:10,200 –> 00:00:18,580 [Kinderstimme]
[Hintergrundmusik] Die sind so schwarz und glänzen und wenn die Sonne scheint, dann wird da Strom draus gemacht.

00:00:18,580 –> 00:00:34,260 [Moderatorin (Jacky Becker)]
So einfach geht Photovoltaik, oder? Erneuerbare Energien sind die Schlüsseltechnologie für die Energiewende, also den Ausstieg aus Öl und Gas. Aber geht das wirklich so einfach? Die Sonne scheint, der Wind weht und schwups, haben wir Strom?

00:00:35,440 –> 00:00:39,960 [Off-Sprecher (Christian Brunner)]
Netztalk. Das Gespräch mit Menschen, die Wiens Infrastruktur gestalten.

00:00:39,960 –> 00:00:55,420 [Moderatorin (Jacky Becker)]
Christian Call. Du bist seit fünfunddreißig Jahren in der Energiewirtschaft und Unternehmenssprecher bei den Wiener Netzen. Ganz so einfach ist es, glaube ich, nicht. Also ihr müsst da bei den Wiener Netzen schon einiges an Vorarbeit leisten, dass das so hinhaut, oder?

00:00:55,385 –> 00:03:24,045 [Christian Call]
Ja, also Photovoltaik im Speziellen, aber auch natürlich die Windkraft, das ist schon etwas ganz, ganz Faszinierendes. Da wird einfach, äh, durch die Sonnenstrahlen, äh, diese Energie genutzt und direkt ohne weitere Schritte in elektrische Energie, in Strom umgewandelt. Und das ist natürlich etwas wirklich Fantastisches, weil es uns auch möglich macht, unabhängig zu werden von fossilen Energieträgern, dass wir Gas oder Öl verbrennen und, äh, das ist einfach die Zukunft. Natürlich bedeutet das aber auch für diejenigen, die den Strom transportieren müssen, nämlich für uns, für die Netze, dass wir uns darauf einstellen müssen. Wir haben zwanzigtausendachthundert Kilometer Stromleitungen bei den Wiener Netzen. Und, äh, wie das früher war, da war das einfach ein Einbahnsystem. Da muss man sich das so vorstellen: Da gab es ein großes Kraftwerk, das den Strom erzeugt hat, der dann sozusagen mit vergleichbar Sattelschleppern über Autobahnen – das nennen wir die Hochspannungsebene – transportiert worden ist. Der ist dann in Umspannwerken quasi umgeladen worden auf LKWs, in der Mittelspannungsebene, dann über Bundesstraßen und Hauptstraßen weitertransportiert worden und dann wieder umgeladen worden in kleinere Transporter, um sie dann direkt über Nebenstraßen zu den einzelnen Häusern zu bringen. Ein supertolles System, wo die Erzeuger den Strom genau in der Menge und zu der Zeit erzeugt haben, wo er tatsächlich auch bei den Kundinnen und Kunden gebraucht worden ist. Jetzt mit der Photovoltaik wird das Ganze dezentraler. Das heißt, ich habe viele, viele kleine, äh, Erzeugungsanlagen über das gesamte Netzgebiet verstreut und das, was vorher eine Einbahn war, dort gibt’s auf einmal Gegenverkehr. Und das müssen wir managen, weil das natürlich, da darf’s keine Unfälle geben und keine Geisterfahrer. Also muss das alles ordentlich ablaufen. Wir müssen wissen: Wie ist die Wetterprognose? Wird eine Sonne scheinen oder wird der Wind blasen? Und dann bedeutet es, dass wir darauf die Erzeugungskapazitäten einstellen müssen, damit wirklich im Netz immer genau so viel Energie, so viel Strom vorhanden ist, wie er tatsächlich gebraucht wird. Das heißt aber natürlich auch, und das sind jetzt nicht wir als Erzeug– als Netzbetreiber, sondern die Erzeuger sind da gefragt, dass sie

00:03:25,140 –> 00:04:14,140 [Christian Call]
Reservekapazitäten aufrechterhalten. Man stellt sich einfach nur vor, die Sonne scheint, knallt vom Himmel, alle Photovoltaikanlagen produzieren supertoll Strom und plötzlich kommt eine Wolke über Wien. Und das bedeutet, dass genau mit diesem Schnipsen diese Energie, diese Stromerzeugung auf einen Schlag weg ist. Und das bedeutet, dass ich hier ein Ersatzkraftwerk brauche, das einspringt, weil ja der Strom weiterhin benötigt wird, und schnell hochfährt, also zum Beispiel ein schnell startendes Gaskraftwerk. Und wir als Netzbetreiber müssen da zu den einzelnen Lieferanten, zu den Stromerzeugern gute Kontakte halten, damit wir auch sicherstellen können, dass immer genug Strom im Netz drinnen ist.

00:04:14,140 –> 00:04:17,339 [Moderatorin (Jacky Becker)]
Mhm. Also gut vernetzt sein sozusagen mit den Stromerzeugern.

00:04:17,340 –> 00:04:18,079 [Christian Call]
Absolut wichtig.

00:04:18,079 –> 00:04:19,430 [Moderatorin (Jacky Becker)]
Im wahrsten Sinne des Wortes.

00:04:19,430 –> 00:04:20,839 [Christian Call]
Ja, genau. Genau.

00:04:20,839 –> 00:04:43,680 [Off-Sprecher (Christian Brunner)]
[Soundeffekt] Netzfacts. Überraschende Fakten und spannendes Wissen über die Netze deiner Stadt. [Soundeffekt] An dieser Stelle eine beeindruckende Zahl: vierhundertvierzig Millionen. Vierhundertvierzig Millionen Euro werden jedes Jahr von den Wiener Netzen in die Instandhaltung und den Ausbau der Netze investiert. So werden und bleiben die Netze fit für erneuerbare Energien.

00:04:43,680 –> 00:04:56,220 [Moderatorin (Jacky Becker)]
Die erneuerbaren Energien bieten ja ganz viele Möglichkeiten. Du hast es, äh, gerade angesprochen. Auch eben die Möglichkeit, dass fast jeder zum Stromerzeuger werden kann. Wie funktioniert das genau?

00:04:56,220 –> 00:06:17,604 [Christian Call]
Ja, also bei der Windkraft sind das eher die großen Betreiber. Wir haben einundzwanzig Windparks im Bereich der Wiener Netze, die Strom auch einliefern. Und wir haben sage und schreibe aktueller Stand vierundvierzigtausend Photovoltaikanlagen im gesamten Netzgebiet der Wiener Netze. Das bedeutet natürlich auch, dass man hier, äh, das einerseits gut managen muss. Heißt aber auch auf der anderen Seite, dass wir viele Möglichkeiten bieten, äh, dass man selbst als Konsument auch zum Produzenten werden kann. Da gibt’s dieses neue Wort, das dazu erfunden wurde. Also man wird zum Prosumer, ja. Das ist ein, die Mischung aus Produzent und Konsument. Und wenn man ein eigenes Haus hat, dann ist es relativ leicht, hier eine Photovoltaikanlage auf das Dach zu bauen, den Strom vielleicht selber zu nutzen für, äh, ein Elektroauto oder eben für die Geräte im Haushalt und den Überschuss in das Netz einzuspeisen. Wenn man nicht in der glücklichen Lage ist, ein eigenes Haus zu haben, aber vielleicht in einer Wohnung mit einem Balkon, dann gibt’s diese klassischen Balkonkraftwerke. Das sind so Kleinst-Erzeugungsanlagen, die bis zu achthundert Watt Leistung haben dürfen, äh, wo es auch keine

00:06:18,644 –> 00:06:50,184 [Christian Call]
Vergütung gibt für den Strom, den man als Überschuss ins Netz einspeist. Aber all die Geräte, die laufen, während die Sonne scheint und den Strom vom Balkonkraftwerk beziehen, den muss man natürlich nicht übers Netz beziehen und muss dafür eben auch nichts zahlen. Das heißt natürlich auch, dass man sein Verhalten ändern kann und, äh, dann, wenn die Sonne scheint, den Geschirrspüler und die Waschmaschine einschaltet und nicht am Abend oder in der Nacht, sondern eben einfach, äh, darauf achtet, dass das dann passiert, wenn die Sonne tatsächlich scheint.

00:06:51,304 –> 00:07:33,764 [Christian Call]
Hat man auch nicht die Möglichkeit für ein Balkonkraftwerk, dann gibt es noch als dritte Möglichkeit, äh, Mitglied in einer Energiegemeinschaft zu werden. Energiegemeinschaften sind, äh, meistens im Bereich einer, eines Umspannwerkes. Das heißt, dass es irgendwo die Möglichkeit gibt, ein große, eine große Photovoltaikanlage zum Beispiel hinzubauen und man selber direkt über diese, äh, direkt von dieser Photovoltaikanlage den Strom beziehen kann und den Rest halt von seinem klassischen Lieferanten bekommt. Äh, dazu ist es notwendig, dass man, äh, den Smart Meter dementsprechend auch programmiert. Aber dann kann man eben auch Teil von dieser Energiewende sein.

00:07:33,764 –> 00:07:39,064 [Kinderstimme]
Windkraft und Wasserkraft und Photovoltaik.

00:07:39,064 –> 00:07:55,904 [Moderatorin (Jacky Becker)]
Also ganz kinderleicht ist das mit den erneuerbaren Energien nicht. Ein bisschen Ideen braucht man schon, aber die habt ihr, haben die Techniker und Technikerinnen von den Wiener Netzen ja Gott sei Dank eh. Und der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall, spätestens für unsere Kinder.

00:07:57,504 –> 00:07:58,384 [Speaker 5]
[Outro-Musik]

00:07:58,384 –> 00:08:05,424 [Off-Sprecher (Christian Brunner)]
Das war Netzimpuls, der Wiener Netze Podcast. Abonniere uns für viele weitere Stories, die Wien bewegen.

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