Auf der Leitung



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#Fernwärme#Gas#Infrastruktur#Strom#Zukunftsnetz
Illustration Donaukanal Wien
Nicht nur unter dem Donaukanal spielt es sich ab. Was es in Wien alles unter der Erde zu entdecken gibt, erfahren Sie hier. © Jovan Sertic
Was tut sich in Wien – unter der Erde? Ganz schön viel: Kabel, Leitungen und Bäche suchen ihre Wege. Werfen Sie einen Blick auf eine Stadt mit Tiefgang!

Riesenrad, Stephansdom, Schönbrunn – Aber nicht nur über der Erde hat Wien viel zu bieten. So manche Sehenswürdigkeit liegt im Verborgenen. Wäre die U-Bahn nie gebaut worden, wäre die Virgilkapelle unter dem Stephansplatz wahrscheinlich nie wiederentdeckt worden. Und wer weiß was da sonst noch so an unterirdischen Schätzen in dieser Stadt schlummern.

Was sich unter der Oberfläche Wiens aber auf jeden Fall entspinnt, das ist ein Netz aus Bächen, Kellern und vor allem Leitungen. In Wien nicht auf der Leitung zu stehen, das geht nicht.

Aber um am Stephansplatz zu bleiben. So wie sich da die U-Bahn-Linien zwischen Ottakring und Simmering, zwischen der Leopoldau und Oberlaa kreuzen, so ist der zentrale Platz in Wien nicht nur ein Verkehrs-, sondern auch ein Leitungs-Knotenpunkt.

Illustration Stephansplatz Wien
Unter dem Stephansplatz befinden sich die Virgilkapelle, Katakomben, U-Bahnen und Weinkeller. Aber natürlich auch viele Strom-, Gas- und Fernwärmeleitungen zur Versorgung der Millionenstadt. © Anna Deér, Jovan Sertic

Und nur am Rande bemerkt: Das Graben hat vor allem hier genau an diesem Ort der Stadt Tradition. Das Riesentor heißt ja nicht wegen seiner Größe so – sondern höchst wahrscheinlich wegen eines Mammutknochens, der beim Bau gefunden wurde. Der Knochen wurde damals einem Riesen zugeordnet. Aber auch andere Knochen finden sich hier. Der Stephansplatz war zur Römerzeit Gräberfeld. Später befand sich rund um den Dom ein Friedhof.

Und gegraben wird hier nach wie vor. Dass es heute warm wird im Stephansdom, das liegt zum Beispiel an einer Fußbodenheizung, die unter der Erde mit Fernwärme versorgt wird. Aber auch Gasleitungen, Telekommunikationsleitungen sowie Wasser- und Abwasser-Leitungen durchziehen den Stephansplatz. So wie fast alle anderen Orte der Stadt.

Leitungen auf Schritt und Tritt

Ein Netz aus 17.000 Kilometern Stromkabeln, 4.700 Kilometern Gasleitungen, 570 Kilometern Fernwärme und 2.300 Kilometern Glasfaserkabel spinnt sich durch Wien.

Das Kombinetz der Wiener Netze ist wichtiger Bestandteil der Infrastruktur in Wien. © APA Auftragsgrafik

Gleich unter den Gehsteigen in zirka 80 cm Tiefe liegen die Stromleitungen. Und was die wenigsten wissen: Die allermeisten Haushalte in Wien speisen Strom von zwei Seiten ein, um bei Stromausfällen schnell umschalten zu können. Und auch das Gas-Netz ist eng vermascht, um Störungen kleinräumig zu halten. Die gelben Kunststoffrohre sind es, durch die in rund einem Meter Tiefe der Brennstoff transportiert wird.

Außerdem sind da dann noch die Leitungen für die Telekommunikation. Zumeist liegen die genauso tief wie die Stromleitungen. Hinzu kommen die Riesen im Netz: Die Leitungen der Fernwärme mit einem Durchmesser von bis zu 800 mm und ebenso große Fernkälte- und Abwasserleitungen.

Eine Stadt mit Tiefgang

Wien ist eine historisch gewachsene Stadt. Aus Dörfern wurden Bezirke. Aus Bächen wurden Straßen. Die Ottakringer Straße zum Beispiel – die war ein Bachbett. Das des Ottakringer-Baches, der im Wienerwald entspringt. Und wo fließt dieses Bächlein heute? Vier Meter unter der Straße. In der Innenstadt mündet er dann in den Donaukanal.

Gerade bei der Ottakringer Brauerei lohnt sich ein Blick unter die Erde. Das gesamte Areal der Brauerei ist unterkellert. Es sind alte miteinander verbundene Gewölbe, durch die alle Arten von Leitungen verlaufen. Direkt an der Brauerei hängt auch ein 110 Meter tiefer Brunnen, aus dem Wasser gepumpt wird. Alles, was es braucht um eine Stadt zu versorgen kreuzt hier – wie am Stephansplatz.

In Wien nicht auf der Leitung zu stehen – oder einem Bach oder Rohr zu gehen – das ist also ein Ding der Unmöglichkeit. Und die Leitungen über die wir täglich gehen, die bringen Wärme, Wasser und Licht in die Häuser.

Lesetipp info-icon
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