Moderatorin Jaqueline Becker-Lohberger mit Gerhard Fida, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Wiener Netze im Podcast-Studio. ©Wiener Netze/Manuela Gutenbrunner
Moderatorin Jaqueline Becker-Lohberger mit Gerhard Fida, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Wiener Netze im Podcast-Studio. ©Wiener Netze/Manuela Gutenbrunner

#9 Wie gut ist Wien auf einen Blackout vorbereitet?

Wiens Stromnetz zählt zu den sichersten Europas und hält die Stadt mit einer Versorgungssicherheit von 99,9% am Laufen. Doch was passiert, wenn es trotzdem einmal dunkel wird?

In dieser Folge spricht Moderatorin Jaqueline Becker-Lohberger mit Gerhard Fida, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Wiener Netze, über die Realität hinter dem viel diskutierten Blackout. Er erklärt, warum Stromausfälle noch lange kein Blackout sind, welche Rolle das schwarzstartfähige Kraftwerk in Simmering spielt und wie Wien im Ernstfall innerhalb weniger Stunden die Stromversorgung wieder aufbauen könnte.

Außerdem geht es um Krisenvorsorge, die Ausbildung von Fachkräften für morgen und die Herausforderungen einer Energiezukunft mit erneuerbaren Energien.

Eine spannende Folge über Versorgungssicherheit, Verantwortung und die Menschen, die Wiens Energieversorgung rund um die Uhr am Laufen halten.

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[0:13]Unsere Stadt pulsiert. Und wir mit ihr. Wir sind unterwegs mit den Öffis, mit dem Auto, wir stürzen uns ins Nachtleben oder chillen zu Hause mit der Lieblingsserie. Und das ist gut so. Das Wiener Stromnetz hält alles am Laufen und unseren Puls stabil. Übrigens mit einer rekordverdächtigen Versorgungssicherheit von 99,9 Prozent. Wie schaffen das die Wiener Netze? Und was, wenn der Puls mal ins Stocken gerät? Stichwort Blackout. Wie gut sind wir darauf vorbereitet? Und warum werden wir, wenn es einmal wirklich dunkel wird, nach Simmering schauen? [0:52]NetzTalk. Das Gespräch mit Menschen, die Wiens Infrastruktur gestalten. [0:57]Das wollen wir heute genauer wissen. Und zwar von Gerhard Fida. Du bist Geschäftsführer der Wiener Netze. Also ich muss zugeben, beim Thema Blackout schnellt mein Puls schon ein bisschen in die Höhe. Du bist da ganz cool und du fühlst mit deinen mobilen Einsatzteams der Stadt auch ständig den Puls eigentlich. [1:18]Ja, das ist das, was wir tun und nicht alles, was heute so landläufig als Blackout bezeichnet ist, ist ja auch einer. Mittlerweile wird ja bereits eine kleine Stromstörung, die wir im siebten Bezirk haben, als Blackout bezeichnet oder liebevoll als Mini-Blackout, das gibt es ja alles nicht. Der Blackout wäre eine groß angelegte Störung der elektrischen Stromversorgung. Das haben wir ja Gott sei Dank nicht, dafür sorgen ja unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wenn es schon mal einen Stromausfall im siebten Bezirk gibt, dann sind wir rasch unterwegs, fahren mit Blaulicht hin, schauen, dass wir das defekte Betriebsmittel, den Transformator oder das Kabel außer Betrieb nehmen und über eine andere Versorgungsmöglichkeit hier schauen, dass die Kundinnen und Kunden wieder versorgt sind. Also da bleibt mein Puls einigermaßen ruhig und das ist eigentlich für uns ein normaler Alltag. Das passiert immer wieder. [2:09]Und was hat es jetzt mit dem Blackout, dem richtigen Blackout sozusagen auf sich? [2:14]Ja, das richtige Blackout wäre tatsächlich eine Großstörung. Also ganz Österreich hätte beispielsweise keinen Strom. Für das gibt es Notfallskonzepte, damit das nicht passiert. Da gibt es unsere Kollegen des Übertragungsnetzbetreibers, die in jeder Sekunde darauf schauen, dass das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch gegeben ist und damit diese 50 Hertz, also der für uns wichtige Puls, einfach stabil gehalten wird. [2:37]Und es gibt auch einen Joker. Den ihr habt, nämlich ein, also, oder sagen wir so, dieser Joker, der sitzt in Simmering. [2:47]Der Joker sitzt in Simmering, das ist ein Kraftwerk, das, wir sagen dazu, schwarzstadtfähig ist. Das heißt, das Kraftwerk kann von sich aus starten. Wir können wegen einem Inselbetrieb wieder einen Netzaufbau machen und hier einmal die wichtigsten Kundinnen und Kunden versorgen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen etc. Also alles, was besonders wichtig ist in dieser Stadt. Und das sollte man innerhalb von vier bis acht Stunden schon schaffen. Also ich denke, wir sind hier gut gerüstet. Wir üben das auch ehrlich mit den Kolleginnen und Kollegen der Wiener Energie, damit das dann auch klappt, wenn man es braucht. Wir hoffen, dass wir es nie brauchen. Wir arbeiten daran rund um die Uhr, damit wir es nicht brauchen. Aber wir sind gewappnet. [3:25]Also man muss rechtzeitig darauf schauen, dass man es hat, wenn man es braucht. [3:28]Ja, das hat schon der Jogi Kirschner sehr richtig gesagt. Nein, Vorbeugen ist einfach wirklich auch zu schauen. Gefahr, Evaluierung, wo kann etwas sein, wo kann ein größeres Problem auftreten. Und hier vorbeugend einfach bereit zu sein, genügend Störfallteams auch zur Verfügung zu haben und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben, die geschult sind, die wissen, wie man in Krisensituationen arbeitet. Man nennt es heute Neu-Deutsch Business Continuity Management, also wie funktioniert das Unternehmen weiter, wie können wir weiter die Kundinnen und Kunden versorgen und das nehmen wir sehr ernst, das ist auch unsere Aufgabe, neben der Entwicklung der Zukunft, die für uns genauso wichtig ist. Ja, wir haben nicht mehr die Großkraftwerke und alle Kunden sind nur mehr Stromabnehmer. Kundinnen und Kunden erzeugen selbst Strom. Das ist etwas, das hat sich geändert in den letzten 20 Jahren, macht die Aufgabe spannender, macht natürlich das Gesamtsystem auch volatiler, aber deswegen muss man sich nicht fürchten. [4:26]Ist denn die Wahrscheinlichkeit von einem Blackout jetzt größer geworden in den letzten Jahren, wie das oft einmal angedacht ist? [4:34]Das würde ich jetzt nicht sagen, dass es größer geworden ist. Die Stromerzeugung und der Verbrauch sind etwas Volatil als in der Vergangenheit. Es gibt Menschen, die verdienen Geld davon, zu sagen, es wird also morgen einen Blackout geben oder übermorgen. Aber das ist so ähnlich wie mit der Sonnenfinsternis und dem Weltuntergang. Wenn man mit seinem Team daran arbeitet, dass das alles nicht passiert, ist das für uns auch eine Berufung, dass wir einen Blackout hoffentlich bestmöglich vermeiden können. Und da kann es nicht das Ziel sein, dass wir daran glauben. [5:04]Da wird Hand angelegt und ordentlich gearbeitet dafür, dass das gut passt. [5:08]Wir tun unser Bestes und ich bitte guter Dinge, dass wir das schaffen. [5:13]Jetzt hat es vor einiger Zeit in Berlin einen großen, großflächigen Stromausfall gegeben, wo zehntausende Haushalte ohne Strom waren und das, glaube ich, fast eine Woche lang, also wirklich mehrere Tage. Wäre sowas in Wien auch möglich, theoretisch? [5:29]Also von der Netzkonzeption her sind wir anders aufgebaut. Ich sage einmal, ich glaube nicht, dass es möglich wäre. Wir haben uns das angeschaut, wir haben das analysiert, wir haben auch mit den Berliner Kolleginnen und Kollegen Rücksprache gehalten ... [9:27]Und das ist gut so.

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